Symposium PEACE


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Symposium
anlässlich der Ausstellung FRIEDEN
„100 Jahre nach dem 1. Weltkrieg -
Republik, Demokratie und Frieden-förderndes Engagement von KünstlerInnen damals und heute - Möglichkeiten und Auswirkungen für Gesellschaftspartizipation“

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Symposium mit

Recherchen ● Wissenschaftlichen Bearbeitungen ● Vorträgen ● Diskussion ● Dokumentation

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Frieden - im Herzen Europas

Im Gedenkjahr 2018, 100 Jahre nach dem Ende des 1. Weltkriegs, wird in Wien - während der Vorsitzführung Österreichs bei der Europäischen Union – ein Symposium zu den Themenkreisen Frieden, Demokratie und Republik in der Akademie der bildenden Künste stattfinden.

In Europa gibt es sie wieder:

soziale Spannungen, nationalistische und diktatorische Tendenzen, politische Brandherde und Konflikte, Aufrüstung, Zeichen eines kalten Krieges und die Gefahr einer wirklichen militärischen Auseinandersetzung.

Mit dem Symposium wird für die derzeit wieder brandaktuellen Themen Frieden, Demokratie und Republik im Wissenschaftsbereich und darüber hinaus sensibilisiert.

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Ausgehend von der Zeit des Ende des 1. Weltkriegs werden 100 Jahre danach historische Elemente der Friedensbekundung und -förderung in und aus Wien untersucht.

Das Gedenkjahr 2018 wird zum Anlass genommen, um in Auseinandersetzung mit der Geschichte Wiens - im Herzen Europas, zwischen Ost und West - die Wichtigkeit von Engagement für Frieden und Demokratie in Wien, Österreich und Europa zu vermitteln.

Das Symposium, das in der Akademie der bildenden Künste Wien stattfinden wird, konzentriert sich dabei speziell auf Engagement von KünstlerInnen für Frieden, Demokratie und Republik und untersucht deren Möglichkeiten und Auswirkungen für Gesellschaftspartizipation.

Die wissenschaftliche Auseinandersetzung im Rahmen des Symposium soll einerseits den Blick für den Frieden gefährdende und dem Frieden entgegenstehende Situationen schärfen und andererseits Erkenntnisse für Lernprozesse, Früherkennung und Friedensengagement für unsere aktuelle Zeit fördern.

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Veranstaltungsort

Akademie der bildenden Künste Wien

Atelierhaus, Lehargasse 8, 1060 Wien, Österreich

Datum

7. September 2018 

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Programm:

8.30 Uhr: Eintreffen von Gästen und Publikum:

Kaffee-Empfang, Get together

9 Uhr: Vorträge: Einzelreferate (2)
anschliessende Kurzdiskussion/Fragen

10.30 Uhr: Pause

    11  Uhr: Vorträge: Einzelreferate (1,2)
    anschliessende Kurzdiskussion in Interviewform mit KünstlerInnen

11 Uhr: allgemeine Diskussion

12 Uhr: Get together, Sektempfang

13 Uhr: Ende Veranstaltung

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Ziele:

  • Anlässlich des Gedenkjahres 2018: Sensibilisierung und Anregung ausgehend vom Wissenschaftsbetrieb (vornehmlich Kunstgeschichte, Kunstwissenschaft, Kunstakademie, Geschichte, Politikwissenschaft, Friedensforschung) für das Thema Engagement für Republik, Demokratie und Frieden und die Möglichkeiten im Kulturbetrieb durch Kulturschaffende für Einbeziehung und weiteres Engagement von Gesellschaft für Demokratie, Frieden und Friedenserhalt
  • Kommunikationsveranstaltung für WissenschaftlerInnen, Referenten und Publikum für Kontaktpflege, Austausch, Vorstellen von Erkenntnissen, Diskussion, Erhalt von Kommentaren, Kritik, Anregungen zum Thema
  • Hinaustragen des Themas in breitere Teile der Gesellschaft – vom Symposium in Wissenschaftsinstitutionen, in den Bezirk und die Regionen
  • Erreichen besonders auch der jungen Generation der Gesellschaft
  • Verwendung von geschichtlichen Erkenntnissen für Gegenwart und Zukunft

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Konkrete Maßnahmen für das Symposium

Recherchen, wissenschaftliche Bearbeitungen, Referate

„100 Jahre nach dem 1. Weltkrieg -
Republik, Demokratie und Frieden
förderndes Engagement von KünstlerInnen
damals und heute
-
Möglichkeiten und Auswirkungen für Gesellschaftspartizipation“

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Mit vorliegendem Symposium wird 100 Jahre nach dem 1. Weltkrieg mit verschiedenen konkreten wissenschaftlichen Maßnahmen daran gearbeitet, Engagement von KünstlerInnen in und aus Wien für den Frieden zu untersuchen. Dabei werden auch Einsatz für Republik und Demokratie als den Frieden fördernde und erhaltende Maßnahmen berücksichtigt. Besonders werden Frieden fördernde Aktivitäten von KünstlerInnen vor und um 1918 recherchiert. Schliesslich wird heutiges künstlerisches Engagement für den Frieden 2018 - 100 Jahre nach dem 1. Weltkrieg - untersucht.

Die Recherchen im Rahmen dieses Symposiums konzentrieren sich auf gemeinschaftlich-institutionelles Handeln ebenso wie auf für Frieden, Demokratie und Republik engagiertes Handeln von EinzelkünstlerInnen aus Wien und deren Wirken.

Die Untersuchungen zu diesem Symposium sind stets darauf fokussiert, Möglichkeit und Gründe für Unmöglichkeit einer Wirkung von künstlerischem Handeln auf die Gesellschaft für den Frieden und für tatsächliche Friedensprozesse aufzuzeigen. Zentral für die Auseinandersetzung ist überdies die Frage, ob bzw. wie künstlersiches Engagement die Teilnahme breiterer Kreise der Gesellschaft an gemeinsamer Aktivität für den Frieden initiieren und fördern kann.

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Konkrete Recherchen, wissenschaftliche Bearbeitungen, Referate:

In den folgenden Bereichen wird für vorliegendes Symposium recherchiert, wissenschaftlich bearbeitet und referiert:

  • Auslandsausstellung österreichischer Kunst während des Krieges 1917: Friedliche Kunst oder Kunst für den Frieden aus Wien
    Es ist bekannt, dass der Kunstbetrieb auch während des Krieges zwischen 1914 und 1918 ungebrochen weiterging: KünstlerInnen schufen neue Arbeiten, Aufträge wurden verteilt, es gab zahlreiche Ausstellungen. So fand z.B. 1917, kurz vor Kriegsende, in der Liljevalchs konsthall in Stockholm die `Österreichische Kunstausstellung´ statt. Mehr als 600 österreichische Arbeiten wurden hier kurz vor Kriegsende im Ausland präsentiert. In der Ausstellung präsentiert sich Österreich - wie manche berichteten - z.T. als friedliebende Kulturnation.
    Für das Symposium wird recherchiert, was diese im Krieg schaffenden KünstlerInnen aus Wien und Österreich in dieser Ausstellung für den Frieden bzw. gegen den Krieg präsentierten und unternahmen. Besonders beleuchtet werden dabei die KünstlerInnen der Kulturhauptstadt Österreichs, KünstlerInnen aus Wien. Untersucht wird, ob es in dieser Schau tatsächlich zu einer künstlerischen Gegenwelt zum Krieg, zu einer des Friedens, gekommen ist und wenn ja, wie diese ausschaute. Schliesslich wird erarbeitet, welche Wirkung diese Künstler und diese Ausstellung auf Publikum und Gesellschaft und Frieden fördernde Prozesse hatte.
  • Wiener Propagandamaler im Krieg 1914-1918: Propaganda für den Krieg oder für den Frieden Im Auftrag der Propaganda Österreich-Ungarns wurde während des 1. Weltkriegs der Krieg von Propagandamalern, sogenannten Kriegsmalern, geschildert. Diese Kriegsmaler spielen bis heute eine stark vernachlässigte Rolle in der österreichischen (Kunst-) Geschichtsschreibung. Sie waren hauptsächlich Maler, die Ereignisse an der Front dokumentieren und propagandistisch und künstlerisch übersetzen sollten. Man zählte scheinbar auf die erhöhte PR-Wirkung besonders des herkömmlichen Tafelbildes. Die Kriegsmaler trugen eine schwarz-gelbe Armbinde mit dem Aufdruck `Kunst´ und waren ausdrücklich vom Frontdienst enthoben, konnten also dem Dienst an der Waffe entgehen. Zudem durften sie immer wieder auch in die Heimat zurück, um hier ihre Arbeiten zu vollenden. Gemeinsam mit Bildhauern und Fotografen bildeten sie die Kunstgruppe des k.u.k. Kriegspressequartiers (KPQ). Auf den Listen der sogenannten Kriegsmaler finden sich Namen zahlreicher noch heute bekannter Künstler: Neben Egger-Lienz etwa Oskar Kokoschka, Oskar Laske, Anton Faistauer, Anton Kolig, Ludwig Heinrich Jungnickel, Klemens Brosch, Ferdinand Andri. Im Verlauf des Krieges wurden jedoch weit mehr, rund 600 Maler, an die Front als Kriegsmaler geschickt. Auch völlig unqualifizierte Männer konnten sich bewerben und bekamen auch, wenn sie nur gut genug protegiert wurden, die Posten. Das Heeresgeschichtliche Museum Wien bewahrt noch heute etwa 1600 Ölgemälde sowie zehntausende Zeichnungen aus der KPQ-Produktion zur weiteren Bearbeitung auf. Die bildliche Kriegsberichterstattung sollte eine wirksame Propaganda im In- und Ausland bezwecken, um die Leistungen der Wehrmacht hervorzuheben. Sie sollten interessante Motive aus dem Leben des Krieges darstellen und militärisch schaffen. Dabei gab es jedoch Probleme: Schon bald stellte sich heraus, dass zwischen den Interessen des Kriegsberichterstatters und dem Kriegsverherrlicher und jenen des Künstlers oft eine unüberbrückbare Kluft lag. Einige Bilder grenzten nahezu an Amtsmissbrauch. All zu oft wurden auch die Schrecken des Krieges im Detail geschildert und häufig lag Glorifizierung und Leid und Positionierung gegen den Krieg sehr nahe beeinander. Besonders das Leid des Krieges bewirkte in den Kriegsmalern oft etwas, das ihren Auftrag, den Krieg positiv zu bewerben, schwerer zu erfüllen vermochte. Was machte das Erlebte mit den an vorderster Front malenden KünstlerInnen, was mit ihren künstlerischen Arbeiten? Wie wurde künstlerisch umgesetzt und was taten sie, wenn sie den Krieg nicht verherrlichen konnten oder wollten oder sich gar dem Krieg entgegenstellen und Frieden wollten? Künstler wie Egger-Lienz änderten an der Front sogar ihre Einstellungen sehr radikal und wurden zu Pazifisten, zu jenen also, die Krieg und bewaffnete Konflikte prinzipiell ablehnen, Kriegerisches verhindern und die Bedingungen für dauerhaften Friedenschaffen möchten. Wie wirkten gerade dann solche Künstler in ihrem Amt, welche Auswirkung hatte dann derartige `Propagandakunst´? In den Recherchen und wissenschaftlichen Bearbeitungen für das Symposium werden Wiener PropagandamalerInnen und ihre Arbeiten auf Frieden fördernde Elemente untersucht. Die Recherchen werden zudem verwendet, um wisschenschaftliche Erkenntnisse zur Frage zu erhalten, welche Möglichkeiten diese KünstlerInnen damals hatten und ob speziell Wiener Propagandamaler und - malerei für friedensfördernde Prozesse in der Gesellschaft eine Rolle spielten.
  • Kommunikationsformen und Engagement für den Frieden von Wiener KünstlerInnen 1914-1918 und 2018
    Immer wieder heisst es in der Geschichtsschreibung, dass fast alle KünstlerInnen, Schriftsteller und Intellektuelle zu Kriegsbeginn jede Oppositionshaltung aufgegeben hätten, auf patriotischen Kurs gingen und entsprechend arbeiteten und publizierten. Sie hätten sich dann freiwillig zum Kriegsdienst oder sich beim Kriegspressequartier angemeldet, oder sie hätten sich durch Kriegslyrik, Kriegsmalerei, Kriegsmusik, Kriegsoperetten oder Kriegsbetrachtungen erbötig gemacht. Als einige Wochen später die Niederlagen und Verlustlisten für ein böses Erwachen sorgen, seien jedoch die Zweifel gekommen. KünstlerInnen, Literaten und Intellektuelle hätten sich dann um das Zusammenleben der Völker nach dem Krieg gesorgt und über Frieden gesinnt. In dieser Recherche werden die Kommunikationmittel dieser gegen den Krieg und für den Frieden eingestellten KünstlerInnen besonders aus Wien während des 1. Weltkriegs untersucht und welche Teile der Gesellschaft durch ihr Engagement für den Frieden tatsächlich wie erreicht wurden.
    In der Auseinandersetzung mit 2018 wird aktuelles Engagement von KünstlerInnen aus Wien für den Frieden beleuchtet. Dabei wird individuelles Agieren ebenso wie gemeinschaftlich-institutionelles Auftreten recherchiert. Sowohl die Mittel als auch Wege werden aufgezeigt, die heute gewählt und gegangen werden. Kommunikations- und Ausdrucksformen von und für KünstlerInnen werden herausgearbeitet, welche die Verbindung zur Gesellschaft herstellen und letztere für den Frieden sensibilisieren und Gesellschaftspartizipation für Friedensprozesse ermöglichen, stimulieren und fördern kann.